Erinnerung an leitende Persönlichkeiten auf der Jugendburg
Eine Burg mag sehr romantisch sein, ihre Mauern noch so beeindruckend – erst Menschen füllen sie und verleihen ihr die spürbare Ausstrahlung.
Wechselnde Gäste bringen mit ihren Ideen, ihrer Arbeit und ihren Festen Leben auf die Evangelische Jugendburg. Für den „Geist des Hauses“ sorgen die ständigen Mitarbeiter. An einige von ihnen aus den Anfangsjahren sei hier erinnert.
Dr. Leopold Cordier (1887-1939) war Pfarrer an der französisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt/Main. Als Nachfahre einer Hugenottenfamilie sah er sich dem reformierten Flügel der Evangelischen Kirche eng verbunden. 1926 wurde er Professor für Praktische Theologie an der Universität in Gießen. In dieser Funktion beschäftigte er sich systematisch mit Begründungen, Zielen und Methoden evangelischer Jugendarbeit.
Er war führender Kopf in der „Christdeutschen Jugend“. Neben ihm war zunächst auch Pfarrer Paul Lange (1881-1948) maßgeblich an der Leitung der Christdeutschen beteiligt.
Der Pädagoge Dr. Paul Kammer (1901-1944) und seine Frau Ellen Kammer (1895-1994), ebenfalls Pädagogin, waren von 1924 an die ersten Leiter der Evangelischen Jugendburg. Ihre Ideen und Anregungen prägten den Stil und Atmosphäre des Hauses. Beide gehörten dem Lehrerkollegium der Heimvolkshochschule an.
Friedrich Wilhelm Petri (1892-1957) war von 1919 bis 1957 Pfarrer in Hohensolms. Er setzte sich besonders für die Jugendbildungsarbeit ein. Insbesondere griff Petri die Idee der Heimvolkshochschule auf. Er setzte sich leidenschaftlich und erfolgreich für die Einrichtung einer solchen Schule für Hohensolms ein. Von 1924 bis zur zwangsweisen Schließung durch das NS-Regime im Jahr 1934 war er ihr Leiter.
Ottilie Haller (1894-1962), später verheiratete Bernhard, war von 1925 bis 1934 Hauswirtschaftsleiterin in Hohensolms und gehörte auch dem Lehrerkollegium der Heimvolkshochschule an.
Friederike Genähr (1894-1954) stammt aus einer pfälzischen Gärtnerfamilie. Als junge Frau trat sie in kirchliche Dienste ein, arbeitete im Evang. Frauenbund der Pfalz und übernahm 1935 - 1951 die Stelle der Heimleiterin auf der Jugendburg Hohensolms. Sie wurde zur Seele der „Burgfamilie“ und hat unter den schwierigen Bedingungen in der Zeit des Nationalsozialismus und in den materiellen Mängeln der Kriegs- und Nachkriegsjahre Enormes für die Burggemeinschaft geleistet.
In den Jahren des Zweiten Weltkriegs, als die Burg Zufluchtsstätte für kriegsgeschädigte Familien wurde, kamen Friederike Genährs Mutter und einige Geschwister, Nichten und Neffen nach Hohensolms. Sie halfen mit das Haus zu unterhalten. Hans Genähr, ein Bruder, war in den schwierigen Nachkriegsjahren bis 1951 Hausmeister.
Pfarrer Ernst Hotz (1906-1992) wurde nach dem plötzlichen Tod von Prof. Leopold Cordier im Jahr 1939 zum Vorsitzenden des inzwischen umbenannten „Verein für Bibelarbeit Hohensolms e.V.“ gewählt. Während seines Kriegsdienstes von 1940 bis zur Entlassung aus der Gefangenschaft 1947 konnte er seine Pflichten nur sehr eingeschränkt, später überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Danach wurde er bis 1952 wieder aktiv, nicht zuletzt in Gesprächen mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Martin Niemöller und mit Landesjugendpfarrer Helmut Bracht über die künftige Nutzung der Jugendburg.
Als Landesjugendpfarrer und später als Propst setzte sich Helmut Bracht (1908 – 1988), erfolgreich für die Übernahme der Trägerschaft und den späteren Kauf der Evangelischen Jugendburg Hohensolms durch die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau ein. Er begleitete die Jugendlichen intensiv mit spiel- und theaterpädagogischen Angeboten, wie Laienspielwochen, auf der Evangelischen Jugendburg.
Von 1954-1966 haben Friedel und Luise Sander als Hauseltern die Leitung auf der Evangelischen Jugendburg Hohensolms übernommen. Ihre Nachfolger waren von 1966-1974 Klaus und Waltraud Nebelung.