Andek

Lange gehörte er zum Hohensolmser Ortsbild: Andek, ein Landarbeiter aus Polen. In der Tor-Weg-Wohnung, die früher Münze hieß, wohnte er. Andek arbeitete auf dem Gutshof, lernte aber nie die deutsche Sprache. Vor allem bei den Kindern im Dorf war er beliebt, da er von freundlichem Gemüt war.

Da Andek einen verkrüppelten Arm hatte und infolgedessen nicht gut zufassen konnte, erledigte er Aushilfsdienste und versorgte die Kühe und Schweine.

Andek hatte aber einen reichen Bruder. Er war Uhrmacher und wohnte in Warschau.

Einmal in Jahr wurde Andek auf die Reise zu seinem Bruder geschickt. Da er nicht schreiben und lesen konnte, bekam um den Hals ein er Schild mit der Bestimmungsadresse, dem Reiseweg und der Heimatanschrift. So wurde er dann mit der Fahrkarte in Gießen in den Zug gesetzt.

Jedes Mal brachte er von seinem Bruder eine kaputte Uhr mit nach Hohensolms. Die hängte er dann an die Wand seines Zimmers und war stolz. Im Laufe der Jahre hatte er dann so eine ganze Uhrensammlung, die er gerne zeigte.

Zur Erinnerung an Andek fingen die späteren Bewohner der Tor-Weg-Wohnung an, in der Küche alte Uhren zu sammeln. Jedem der sich über die Uhren wundert wird die Geschichte von Andek erzählt.

Quellen:

  • Gesichten aus Hohensolms, Hrsg. Tor-Weg-Wohnung e.V. - Gutshof für Spiel und Theater, Hohensolms 1996
  • Timo Zimmermann, Hohensolms – Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Ein mittelhessisches Dorf im Wandel der Jahrhunderte, Hohensolms 2000